»History of Silence« ist das erste vollständige Werk des isländischen Kollektivs múm seit »Smilewound« aus dem Jahr 2013 und ihr bisher siebtes Studioalbum – aufgenommen, dekonstruiert, wieder zusammengesetzt, verfeinert und fertiggestellt im Laufe von zwei Jahren. Die acht neuen Tracks oszillieren lebhaft um eine sorgfältig zusammengestellte Palette elektronischer und analoger Klänge und spiegeln das kontinuierliche Bestreben der Gruppe wider, Klangräume durch subtiles, aber packendes Songwriting zu erkunden.
Seit langem schon beschäftigen sich múm in ihrer Musik mit dem Thema Distanz. Am Anfang entstand dies rein aus der Notwendigkeit heraus. Die Band wurde Ende der 1990er Jahre in Island gegründet, und schon bald begannen die Mitglieder, sich auf Reisen um die Welt zu begeben – gemeinsam auf Tournee, aber auch einzeln, um neue Orte zum Leben und Schaffen zu erkunden. Sich niederlassen, weiterziehen, aufholen: Das Konzept der Distanz wurde bald zu einem integralen Bestandteil des Schaffensprozesses des Kollektivs. „History of Silence“ greift diese Idee auf, wobei Raum und Zeit zu unverzichtbaren Säulen der Arrangements werden. Obwohl sie kohärent und strukturiert sind, spiegeln sie ihre Ursprünge aus verschiedenen Jahreszeiten, Städten und Räumen wider – sorgfältig zusammengefügt mit unvergleichlicher Handwerkskunst. Sie strahlen eine insgesamt luftige und intime Atmosphäre aus, schwingen aber gleichzeitig mit der strukturellen Schwere der Zeit mit.
Auf »History of Silence« manifestiert sich Zeit auf unerwartete, befreiende und faszinierende Weise. Sie schreitet nicht zuverlässig voran, sondern driftet, nimmt Wendungen und verschwindet sogar vollständig. Elektronische Texturen verschwimmen zu akustischen Klängen, Stimmen flackern und lösen sich auf, Melodien stolpern und wiederholen sich. Die Arrangements wirken oft wie wandernd, als würden sie sich sanft gegen eine bestimmte Richtung wehren.„Our Love is Distorting“ beispielsweise beginnt mit einem subtilen Klaviermotiv, das mit Rückkopplungsgeräuschen, digitalen Artefakten und üppigen, aber sehr leisen Streicharrangements Verstecken spielt, bevor es sich allmählich zu einem unverwechselbaren Song formt. Es ist ein perfektes Beispiel für den allgemeinen Ansatz von múm auf diesem Album. „Mild at Heart“ kehrt diese Idee um und fließt frei von Anfang bis Ende, unterbrochen von Momenten der Stille, die dazu dienen, die musikalischen Elemente zu betonen.
Die Musik auf »History of Silence« bewegt sich wie das Wetter: unerwartet, intim, leise und detailreich. Im Kontrast zu lebhaften Phrasen, rhythmischen Verschiebungen und kleinen Hooks bietet das Album einen neuen Blickwinkel auf kompositorische Klarheit und Vision.
Die Arbeit an »History of Silence« begann im Sudestudio in Süditalien. Weitere Aufnahmen entstanden in Reykjavík, Berlin, Athen, Helsinki, New York und Prag. Die Streicher wurden von Sinfonia Nord in der Hof-Konzerthalle in Akureyri aufgenommen, arrangiert und dirigiert von Ingi Garðar Erlendsson, der seit vielen Jahren mit der Band zusammenarbeitet. Die orchestralen Elemente dominieren das Album nicht, sondern treten sanft in den Vordergrund und verleihen den Songs Tiefe und Resonanz, ohne ihre Zerbrechlichkeit zu stören.
Entgegen dem, was der Albumtitel vermuten lässt, ist »History of Silence« eine Sammlung kühner und farbenfroher Songs, auch wenn sie manchmal gedämpft klingen mögen. Sie kitzeln wie eine Feder, die im Wind dahintreibt und an unerwarteten Orten landet, und wecken längst vergessene Gedanken und Gefühle, intime Momente der Selbstbeobachtung. Die Songs bewegen sich durch die Echos, die diese Momente hinterlassen: die emotionalen Spuren des Unausgesprochenen, die Schwere der Stille. Sie bieten Nähe durch Distanz und dringend benötigte Unterstützung.
➡️ múm »History of Silence« wird am 19. September als limitierte Clear-Vinyl-LP, schwarze Vinyl-LP, Compact Disc und Kassette veröffentlicht und kann bei Anost vorbestellt werden.




